Das erste Brevet: Zum Meer und zurück

Das erste Brevet in meiner noch jungen Karriere ist geschafft. Die 200km Runde von Hamburg nach Timmendorf und zurück sind im Sack.

Das Ganze stand unter keinem guten Stern. Am MIttwoch zuvor wollte ich noch ein paar Runden im Harz trainieren aber anhaltender Schmerz in der linken Hüfte ließen nicht viel zu. Die erste Tour musste ich nach 10km abbrechen, weil ich das Gefühl hatte das Brevet zu gefährden. Donnerstag früh habe ich einen möglichen Verursacher identifiziert: Die linke Schuhplatte war einen guten Zentimeter nach außen gewandert. Kann das der Verursacher des Schmerzes sein? Einstellen und Testrunde. Nach 25km war klar. Es ist besser aber noch nicht perfekt. Das konnte aber auch an der Fehlbelastung der letzten Zeit liegen. Also erstmal Pause.

Freitag früh dann noch mal 60km mit einigen hm. VIEL BESSER aber immer noch leichte Schmerzen. Voltaren Forte auftragen und zurück nach Hamburg. Die neuen Reifen abholen. Conti Classic mit Black Chili.

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Die habe ich nachts noch schnell aufgezogen. Die bisherigen Trainingsreifen mit Draht waren mit zu blöd im Falle eines Falles. Da gehen Faltreifen einfach besser.

Essen habe ich auch eingekauft: Nüsse, Snickers, 2 belegte Brote. Einen zweiten Ersatzschlauch musste ich noch aus einem anderen Rad im Keller klauen. Man weiß ja nie. Alles irgendwie ans Rad werfen. Die kleine Satteltasche mit Werkzeug platzt aus allen Nähten. Die Trikottaschen sind voll. Die Oberrohrtasche geht kaum noch zu. Mehr geht nicht. Fertig.

Morgens um kurz vor 6 klingelt der Wecker. Aufstehen, Duschen, ordentliches Frühstück. Keine Kaffeefilter mehr… Der Espressokocher rettet den Morgen.

Um 7:20 bin ich am Treffpunkt. Dort sammeln sich schon langsam die Randonneuere. Eine bunte und sehr sympathische Truppe. Claus begrüßt mich und ich melde mich an. Start in der ersten Gruppe.

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Man steht rum, schnackt hier und da mit dem einen oder anderen und begutachtet die Räder.

Viel schönes Material am Start. Von Trekkingrädern über Velomobile zu Carbonliegerädern. Singlespeeder waren auch da. Verrückter Haufen.

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Pünktlich um 8 geht es los. Der Track bis Timmendorf ist geladen und in straffem Tempo geht es los. Am Start ein Schnitt von 38km/h und die Jungs vorne halten das Tempo. Ich spiele kurz mit meinem Navi und platze hinten aus der Gruppe. Was haben die denn vor da vorn? Ich lasse abreißen und es bildet sich ziemlich schnell eine neue Gruppe. Wir fahren ein ähnliches Tempo und man beginnt zu plaudern und zu pedalieren. Das Wetter ist konstant frisch aber sonnig.

Man überholt und wird überholt, es bilden sich neue Gruppen, der eine kommt neu dazu oder fällt raus. Jeder fährt seinen Rhythmus und wir kommen gut voran. Bis zum ersten Checkpunkt und Zarpen passiert nicht viel. Es geht erst durch Hamburgs Vororte und dann über kleine Landstraßen und Wirtschaftswege. Ab un zu sehen wir die Velomobile an und vorbei ziehen. Sie fahren manchmal einen Schlenker um Bahngleise und Kopfsteinpflasterpassagen zu umgehen.

Der erste Punkt ist ein Bäcker der bereits von Randonneuren belagert ist. Das sieht auf dem Bild jetzt nicht so aus aber so war es 😉

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Ich gönne mir ein Käsebrötchen und einen Kaffee. 70km sind abgehakt.IMG_20170325_105937.jpg

Sabrina und ich fahren ein ähnliches Tempo und wir verstehen uns ganz gut, somit brechen wir gemeinsam wieder auf.  Nach 2 Kilometern verlabern wir uns und verpassen die Abfahrt. Also einen Umweg über Neumühlen und Steinkoppel. Schnell durch Neuhof gerauscht und schon sind wir wieder auf dem Track. Bis Timmendorf sind es noch 30 km und die Beine sind noch frisch. Doch dann… Berge! Berge? Na ja, für mich hier sind es auf jeden Fall viele kleine Rampen die ein entspanntes Fahren verhindern. Immer eine Rampe hoch, dann kurz runter, dann wieder hoch. Sabrina ist über 30 Kilo leichter als ich und tut sich an den Rampen leichter. Ich kann dafür im Flachen Windschatten spenden.

5km vor Timmendorf kommen uns die ersten entgegen. Respekt dafür. Die waren zügig unterwegs. Bestimmt alle aus dem Trainingslager in Mallorca.

In Timmendorf gibt es den nächsten Bäcker als Stempelpunkt. Der Vorplatz ist auch hier gefüllt mit Fahrradfahrern. Wir stempeln, holen uns einen Amerikaner und eine Schorle und füllen die Taschen auf. Gespräche mit den Urlaubern fallen meist so aus:

Was fahrt ihr für eine Aktion?

So eine Langstreckenfahrt.

Von wo?

Aus Hamburg.

(Ungläubige Gesichter) Aha. Respekt. Viel Spaß noch.

Das Meer haben wir ausgelassen. Ich konnte die Zeit nicht einschätzen und wollte gerne weiter. Die Sonne lachte weiterhin und noch hatte ich Spaß.

Über Sarkwitz und Flörkendorf ging es zur Tanke in Ahrensbök (km 120) , Stempel 3 abholen. Kurz zuvor wurde ich von einem älteren Herren mit Pedelec am Berg erniedrigt. Entspannt aufrecht fuhr er an mir vorbei. Es blieb hügelig. Ich habe viel geflucht :). Die Saison ist noch jung.

Jetzt ging es weiter über Stukdorf, Rehhorst nach Süden. Die Strecke ist einfach traumhaft. Die Beine melden sich ganz langsam.

Bei Kilometer 146 holen wir uns Stempel 4 in Reinfeld an der Tanke. Es gibt einen Energydrink aus der Dose. Das hilft. Für 10 Minuten. Der Hintern ist aber gut bisher. Der Brooks Sattel war eine lohnende Investition.

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Irgendwann trift am nur noch die Mitfahrer an den Stempelstellen. Vor uns am Horizont ist ein Tieflieger aus Carbon zu sehen. An Anstieg machen wir Meter auf ihn gut, im Flachen ist er weg.

Es fängt an sich zu ziehen. In Trittau holen wir uns den vorletzten Stempel und haben noch gute 40km vor uns. Wir beißen die Zähne zusammen und fahren weiter. Die Sonne bewegt sich auf den Horizont zu. noch 1,5 h. Ich habe eine 5€Lampe von Aldi dabei, Sabrina ein kleines Posisitionsrücklicht hinten.

Wir wechseln uns vorne ab und beißen uns durch.

Die Extrarunde am Ende um das Segelfluggelände Boberg hält noch ein paar Passagen mit Kopfsteinpflaster bereit. Im Dunklen auch eine Erfahrung.

Es geht am Deich entlang bis ins Ziel. Ich hasse es ohne richtiges Licht im Dunkeln. Ein mulmiges Gefühl wenn sich ein Auto von hinten nährt.

Vor dem Restaurant Chaplin begrüßt uns Claus und wir stempeln ein letztes Mal. Es ist dunkel, Sabrina wird abgeholt und ich fahre noch die 8km nach Hause.

Insgesamt habe ich 232km gemacht. Ich bin erschöpft und hungrig aber es ist auch ein geiles Gefühl.

Ich habe einiges über solche Distanzen und mich selbst gelernt. Doch dazu mehr beim nächsten mal, denn:

Die 300km sind angemeldet.

 

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4 Gedanken zu “Das erste Brevet: Zum Meer und zurück

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